Interview mit Volker Schmidt, COO Pax

 

Für viele ist die Versicherungsbranche ein Synonym für Tradition, Regulierung und Trägheit. Doch Pax setzt komplett auf ein agiles Vorgehen – von der Strategie über die Planung bis zur Umsetzung. Ist Pax in dieser Hinsicht ein Vorreiter?

Nein, Pax ist hier sicherlich kein Vorreiter. Wir können aber als eher kleine Versicherung, schneller Veränderungen umsetzen, als so mancher Grosskonzern. Die Versicherungsbranche wird in diesem Zusammenhang definitiv unterschätzt. Sicherlich erschwert der Regulator an der einen oder anderen Stelle ein schnelleres Vorgehen. Aber wenn wir die Entwicklung der Branche in den vergangen Jahren betrachten, sehen wir viele positive Entwicklungen. Eine Versicherung muss auch nicht genauso funktionieren, wie beispielsweise Netflix oder Amazon. Schlussendlich bleiben wir eine Versicherung und versprechen Sicherheit in Zukunft. Das bedingt ein ausgewogenes Vorgehen.

Welche Vorteile haben Sie bisher dank dem agilen Vorgehen erzielt?

Agilität hat viele Aspekte und jedes Unternehmens sollte für sich überlegen, welche Elemente beispielsweise aus Scrum für die Unternehmenskultur und –ziele tauglich sind. Bei Pax waren es Transparenz und ein prioritätsorientiertes Vorgehen. Beide Aspekte führten dazu, dass wir im Rahmen unserer Strategie, in kurzen Zyklen die richtigen Entscheide treffen konnten.

Sind durch das agile Vorgehen neue Rollen entstanden bzw. andere weggefallen?

Es sind Rollen weggefallen, neue Rollen entstanden aber vor allem haben sich bestehende Rollen angepasst. Ein agiles Vorgehen benötigt auch einen agilen Mindset. Kommunikation ist ein ganz wichtiges Thema. Der Product-Owner ist als Rolle neu hinzugekommen, Teamleiter sind durch eine Verflachung der Hierarchie weggefallen und alle anderen Rollen, wie Entwickler, Requirements-Engineer und Tester haben sich verändert.

Herr Schmidt, Sie haben 2015 einen Master in Wirtschaftspsychologie erworben. Inwiefern hat das Ihnen dabei geholfen, sich auf die Reaktionen der Mitarbeitenden auf Agile vorzubereiten?

Unternehmen sind soziale Systeme, welche künstlich strukturiert werden. Unternehmen sind keine Automaten. Schlussendlich arbeiten Menschen miteinander. Die Verarbeitung eines Inputs erzielt je nach Team einen unterschiedlichen Output. Der Zusammenstellung von Teams kommt eine herausragende Bedeutung zu. Veränderungen im Unternehmen brauchen ein gezieltes Change Management. Dies sind alles Themen, die auch in der Wirtschaftspsychologie behandelt werden. Eine Weiterbildung hilft immer, die persönliche Perspektive zu verändern.

Ist Agilität die Lösung?

Eine durchgehende Agilität in einem Unternehmen stellt eine fundamentale Herausforderung dar. In letzter Zeit sind viele Artikel über das Scheitern der agilen Bewegung publiziert worden. Wie ich schon eingangs erwähnte muss jedes Unternehmen für sich entscheiden, welche Aspekte der Agilität sinnvoll sind und in welchem Zeitraum, was im Unternehmen verändert wird. Es gibt teilweise unveränderbare Rahmenbedingungen, die ausreichend antizipiert werden müssen. Ein Start-Up wird neu aufgebaut, ein etabliertes Unternehmen verändert. Wir haben einen grösseren Freiraum, wenn wir ein Haus neu bauen, als ein bestehendes Haus umzubauen. Vielleicht auch ein Grund, warum viele Unternehmen Töchter gründen.

 

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